Kolostrum im Leistungssport

Macht die „Erstmilch“ Athleten tatsächlich stärker, größer und schneller?
12.09.2016



Athleten sind darauf ausgerichtet Höchstleistungen zu erbringen und neue Rekorde zu erzielen. Dabei konzentriert sich die individuell abgestimmte Planung des Trainings, der Ernährung und der Regeneration auf eine Erhöhung der fettfreien Muskelmasse sowie eine Steigerung der Kondition, der Ausdauer, der Schnelligkeit und der Maximalkraft. All das unter dem Aspekt Verletzungen vorzubeugen, Bewegungseinschränkungen zu optimieren und Widerherstellungsprozesse zu beschleunigen.

Viele der legalen Nahrungsergänzungsmittel, die aus der Pflanzen-, Insekten-, und Tierwelt stammen, versprechen dir dabei unterschiedliche Benefits; manche bewirken mehr, andere weniger.

Ein interessantes „Produkt“, welches von der Kuh abstammt, soll sogar annähernd ähnliche positive Eigenschaften im Bereich der Leistungssteigerung erbringen wie verbotene Dopingmittel. Es wird vom Muttertier erst in der späteren Tragzeit sowie in den ersten Tagen nach der Geburt des jungen Kalbes gebildet und dient dem Neugeborenen für eine vollständige gesunde Entwicklung. Weiterhin stärkt diese Erstmilch die Immunität des jungen Kalbes, dient als antimikrobielles Mittel sowie als Immunregulator. Vor dem Aufkommen der Antibiotika war es sogar die wichtigste Antikörper-Quelle, um Infektionen zu bekämpfen. Der Antikörperspiegel „der Biestmilch“ kann bis zu 100-mal größer sein als der von normaler Milch. Ebenfalls fallen die Anteile von Proteinen / Aminosäuren, Enzymen, Vitaminen, Mineralien, Wachstumsfaktoren sowie Antikörpern deutlich höher aus.  Zahlreiche Athleten, Coaches sowie Ärzte schwören darauf und auch Fachzeitschriften berichten immer mal wieder über dieses Elixier:

- Kolostrum -

Aber was sagt die Wissenschaft zu Rindercolostrum?
Nun, eine Schlüsselkomponente von Kolostrum, als leistungssteigernde Substanz im Sport, ist sein hoher Wert an IGF-1 (Insulin-like growth factor). Die Bedeutung des IGF-1 bezüglich des Muskelwachstums darf, in seiner Fähigkeit Zellwachstum zu aktivieren, nicht unterschätzt werden. Allerdings sind Probanden, Konsumenten, Forscher und Hersteller an der Wirkweise dieser besonderen Milch immer noch unterschiedlicher Meinung. Einige der nachfolgenden Untersuchungen sind Auszüge vom CNR (Center For Nutritional Research).

Eine finnische Studie, die im Jahr 2002 unter der Leitung von Dr. Antii Mero stattfand, zeigte, dass Kolostrum das Level des körpereigenen IGF-1 anstiegen ließ.

Doktor JD Buckley fand bei einer neueren Studie heraus, dass Colostrum die anaerobe Leistung erhöht.

In einer Studie von Dr. Z. Hofman wurde festgestellt, dass Elite Feldhockey-Spieler, die regelmäßig Kolostrum konsumierten, eine deutliche Verbesserung der Geschwindigkeit beim Sprinten verzeichneten.

Bei einer 6-wöchigen Studie mit männlichen Radsportlern entdeckten Forscher folgendes: die erste Gruppe erhielt täglich 10 Gramm Molkeprotein, den anderen Radfahrern wurde die gleiche Menge an Kolostrum verabreicht (Anmerkung von mir: was als Supplementierung nicht besonders viel ist). Die Kolostrum-Radfahrer-Gruppe zeigte bei den hochintensiven Ausdauereinheiten eine deutliche Verbesserung im Bereich der Zeit und der maximalen Sauerstoffaufnahme sowie der Herzfrequenz und der Erholung (bei „normaler“ Belastung wurden zwischen den beiden Gruppen allerdings keine Unterschiede festgestellt).

Dr. G. O. Brinkworth führte eine Kolostrum-Studie mit weiblichen Elite Ruderern durch, bei der wiederum keinerlei Auswirkung auf die Kraft(-ausdauerleistung) gemessen wurde. Allerdings beobachteten sie eine Erhöhung der Pufferkapazität des Körpers. Die Muskel-Pufferkapazität ist die Fähigkeit der Muskeln, bei hochintensivem Training anfallende Säuren zu neutralisieren und somit Ermüdung hinauszuzögern.

Bietet Kolostrum im Leistungssport nun mehr Vorteile im Kraftbereich (anaerob) oder im Ausdauerbereich (aerob)?
Es ist schwierig dazu eine eindeutige Aussage zu treffen, jedoch wird von Wissenschaftlern und Konsumenten tendenziell behauptet, dass Kolostrum im Bereich der anaeroben Leistung, also der Arbeit der schnell zuckenden Muskelfasern (FT-Fasern / Typ2), klare Vorteile aufzeigt. Auch die Regenerationszeit bzw. die Wiederherstellung des Energiesystems verkürzt sich scheinbar erheblich, was somit auch Ausdauersportlern zugute kommt.

Da nicht alle Daten und insbesondere nicht die genauen verabreichten Mengen, die exakten Zeiträume sowie die individuellen Persönlichkeitsmerkmale der Probanden offen liegen, stellt sich die Frage: Welche tägliche Dosierung erscheint als ideal?

Die im Handel erhältlichen Kolostrum Nahrungsmittelergänzungen empfehlen als Tagesdosis meist 3 bis 6 Gramm. Angesichts dessen, dass Probanden mit einer Tagesdosis von 10 Gramm von keinen signifikanten Vorteilen profitierten und andere Testsportler positive Auswirkungen erst ab 20 Gramm pro Tag verzeichneten, erscheint eine Gabe von 4 x 5 Gramm Kolostrum pro Tag durchaus als angemessen. Wer den Versuch startet, sein Geld und seine Zeit investiert, sollte mindestens über einen Zeitraum von 8 Wochen diese Nahrungsergänzung testen. Das heißt jedoch nicht, dass eine Kolostrum „Kur“ erst nach 8 Wochen fruchtet, sondern vielmehr, dass erst dann eine fühlbare, sichtbare, subjektive UND objektive Aussage über die Steigerung im (an)aeroben Bereich möglich ist.

Aber alle möglichen Vorteile beiseite: wenn dein Fitnesslifestyle im Bereich des Trainings, der Ernährung und der Regeneration suboptimal ist, wäre das dafür aufgebrachte Geld eine kostspielige Verschwendung.

Athletinnen und Athleten, supplementiert schlau’ und haltet Euch an die Basics des Sports.
Grüße von Coach Criss Holiday.


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